“Trainer zu sein ist eigentlich ein zweiter Full-Time-Job”

Marek Gajdzis ist seit Sommer (Spieler)-Trainer  unserer zweiten Seniorenmannschaft, die nach der Hinserie in der B-Kreisliga 2 Rang neun belegt und gibt uns einen kleinen Einblick in die Arbeit in unserem Verein…

Die Reserve des TSV Weißtal ist deine erste Trainerstation. Wie ist der Kontakt denn zustande gekommen?

Marek Gajdzis: Der Kontakt ist über den Coach der Ersten, Alfonso Rubio Doblas entstanden. Wir kennen uns seit 2006, wo wir gemeinsam für RW Hünsborn gespielt haben. Mit ihm und unserem Sportlichen Leiter Rene Neuser hatte ich bereits vor drei Jahren mal ein Gespräch, wo ich noch aktiv gespielt habe, hatte damals aber schon gesagt, dass ich in der Zukunft als Trainer arbeiten möchte. Nun bietet mir der TSV diese Möglichkeit, wofür ich sehr Dankbar bin.

Bei welchen Vereinen warst du denn bisher als Spieler aktiv?

Meine Jugend habe ich bei den Sportfreunden Siegen verbracht, dort auch im Seniorenbereich bis zur Oberliga gespielt.  Dann bin ich zu RW Hünsborn gewechselt, wo meine schönsten Jahre waren. Von dort aus ging es höherklassig zum TuS Erndtebrück, SV Rothemühle und SuS Niederschelden. In den letzten Jahren habe ich, soweit es beruflich möglich war, den TSV Siegen und den VfL Klafeld-Geisweid unterstützt.

War für dich immer schon klar, dass du einmal an der Linie stehen wirst?

Diese Frage kann ich nur mit Ja beantworten. Schon in meiner aktiven Spielzeit habe ich jedes Spiel analysiert und mich in die Trainer-Rolle versetzt.

Anfang der Saison hast du oftmals noch selber mitgespielt. Wie schwer ist es vom Feld aus, alles im Überblick zu behalten?

Spielertrainer, wie es ja auch genannt wird, ist keine leichte Aufgabe. Es ist auch sehr gefährlich, weil wenn die Leistung als Spieler nicht da ist, aber man gleichzeitig als Trainer Kommandos geben muss, es vielleicht unglaubwürdig ankommt. Es ist definitiv einfacher von außen das Spiel zu beobachten und zu analysieren.

Zuletzt hat man dich eher seltener auf dem Kunstrasen und fast ausschließlich daneben gesehen…

Gerade als Trainer muss man sich nach jedem Training und jedem Spiel hinterfragen: Habe ich alles richtig gemacht, habe ich die richtige Entscheidung getroffen, was habe ich falsch gemacht, was kann ich ändern? Wer das als Trainer nicht kann und nicht tut, wird kein Erfolg haben! Auch für mich war es ein Lernprozess.  So dachte ich zunächst, dass ich der Mannschaft von hinten als Innenverteidiger helfen könnte, was aber nicht in jedem Spiel so war. Daher habe ich mich entschlossen nicht mehr zu spielen.  Zumal meine Qualitäten als Spieler im vorderen Bereich liegen, da wo ich nun knapp 27 Jahre aktiv war.

Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Spielzeitverlauf?

Bevor ich beim TSV anfing, habe ich das negative Torverhältnis und die schlechte Platzierung gesehen. Daher wollte ich die zweite Welle dahin entwickeln, das wir ein positives Torverhältnis und einen einstelligen Tabellenplatz haben. Bis jetzt hat die Mannschaft das sehr gut umgesetzt. Viel wichtiger ist es abe,r jeden einzelnen zu verbessern und ein Team zu entwickeln, was eine eingeschworene Einheit wird. Wenn wir das erreichen ist alles möglich.

Wo siehst du Verbesserungsbedarf?

Verbesserungsbedarf sehe ich in allen Bereichen. Ich arbeite erst fünf Monate mit dem Team zusammen, dass nicht alles reibungslos verläuft und auch Rückschläge entstehen, ist normal.

Eine Reserve zu trainieren ist nicht immer einfach. Oder stellt es sich so dar, wie du es dir vorgestellt hast?

Eine zweite Mannschaft zu trainieren ist anders als wenn man die erste trainiert, dass ist klar. Doch die Jungs ziehen bis jetzt alle mit und haben hoffentlich Spaß am Training und Spaß am Fußball, denn das ist das wichtigste im Amateur Sport. Aber egal ob Erste oder Zweite, wir leben und lieben alle den Fußball und wenn der einzelne am Platz steht egal, ob Training oder Spiel, erwarte ich von jedem Vollgas und volle Konzentration, denn wir betreiben einen Mannschaftssport.

Gibt es Vor- oder Nachteile, eine Zweite zu trainieren?

Klar gibt es  Vor- und Nachteile eine Reserve zu coachen. Man muss als Trainer versuchen, die Nachteile zu reduzieren oder sie in einen Vorteil umzuwandeln. Das Gute ist, dass ich mit Alfonso einen Trainerkollegen habe, den ich kenne und wir uns helfen wo es nur geht.

Hattest du vor deiner Trainertätigkeit bei uns schon Berührungspunkte mit dem TSV?

Direkte Berührungspunkte hatte ich keine mit dem TSV Weißtal, außer als aktiver Spieler für die gegnerische Mannschaft am Henneberg

Gibt es etwas, was hier in Rudersdorf und Gernsdorf anders ist als bei anderen Vereinen?

Hier muss ich wirklich den TSV loben. Die Gemeinschaft um den Verein herum ist wirklich gigantisch. So wurde ich von allen Beteiligten herzlich aufgenommen  und wenn ich Hilfe benötige gibt es meistens auch immer jemanden der einem hilft. Das ist wirklich Klasse. Ich hoffe den ein oder anderen noch besser kennenzulernen um mehr positive Dinge erwähnen zu können.

Kannst du mal ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, wie die Woche für dich als Übungsleiter abläuft?

Trainer zu sein, ist eigentlich ein zweiter Full-Time-Job. Es fängt in der Planung des Kaders an, über Trainingsgestaltung, Vor- und Nachbereitung von Trainingseinheiten und Spielen, Einzelgesprächen, Presseanrufen, neue Ideen entwickeln, viel lesen, Spielbeobachtung von Gegnern und was zwischen durch noch so alles anfällt.

Wie bekommt man das mit Frau alles unter einen Hut?

Hier muss ich meiner Frau Carolin „Danke“ sagen! Wir haben erst im Mai geheiratet und in den Flitterwochen hat mich Rene Neuser kontaktiert, ob ich den Job als Trainer gerne machen würde. Sie unterstützt mich in jeder Sekunde wenn es um Fußball geht, da es wie gesagt ein zweiter Vollzeit Job ist, kommt das Privatleben leider zu kurz. Zumal es ja noch einen Hauptberuf gibt. Doch Organisation und Planung ist alles. Fußball war und wird immer ein Teil meines Lebens bleiben.

Was möchtest du in dieser Saison mit deiner Mannschaft noch erreichen? Bei nur zwei Absteigern in dieser Saison sieht es ja nicht so aus, als würdet ihr noch zittern müssen…

In dieser Saison haben wir eine Hinrunde gespielt, die ok war. In der Rückrunde, wo die meisten Spiele am Henneberg ausgetragen werden, sollte die Mannschaft das Ziel haben, ein positives Torverhältnis und ein einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Was auch schön wäre, wenn wir den ein oder andere Zuschauer mehr am Henneberg begrüßen und begeistern könnten, der  die einheimischen Jungs unterstützt.

Wie sehen deine persönlichen Zukunftspläne aus?

In die Glaskugel kann  leider keiner schauen. Ich werde zunächst meine Aufgabe als Trainer, die mir sehr viel Spaß bereitet, für ein Jahr beim TSV Weißtal so gut wie möglich erfüllen. Danach werde ich mich mit dem Vorstand zusammensetzen. Ich sehe viel Potenzial im Verein, wenn wir den ein oder anderen jungen Spieler entwickeln und dazu gewinnen, ist in den nächsten drei Jahren alles möglich!